Das meine Zeit hier in Viöl begrenzt ist, das hatte sich schnell rumgesprochen. Viel habe ich über das kirchliche Beamtenrecht erzählt. Darüber, dass ich meine Stelle nur verwalte und kein Inhaber bin; dass ich mich nicht nach meinem Probedienst auf diese Stelle bewerben könne. Als wir damals uns für Viöl entschieden hatten, war mir und uns als Familie dieser Umstand nicht bewusst. Der alte Propst, der einen Tag nach meiner Ordination in den Ruhestand verabschiedet wurde, verfolgte eine andere Personalpolitik, die so nicht mehr haltbar ist. Wir müssen größer Denken, nicht mehr nur an den eigenen Kirchturm, sondern als Regionen. Das gelingt uns als Kirchenregion Arlau meiner Wahrnehmung nach sehr gut. Viöl steht laut Pfarrstellenplan eine Pfarrstelle zu. Ebenso wie Hattstedt-Olderup und Schwesing. Dass also zwei Pfarrstellen in Viöl sind und dafür in einer der anderen der drei Gemeinden keine, das wäre auch unfair den anderen Gemeinden und Menschen gegenüber.  

Dennoch haben mich und meine Familie die Wirren um meine Pfarrstelle und die Gewissheit, gehen zu müssen, belastet. Wir wurden hier gut aufgenommen. Egal, ob Kirchenchor, plattdeutscher Verein, Feuerwehr oder sonst wo. Ihr, liebe Menschen hier aus Viöl, den umliegenden Dörfern und aus Nordfriesland, seid uns sehr herzlich begegnet. Dafür sagen wir Danke!

Die Gerüchteküche über meine Pfarrstelle brodelte während meiner gesamten Dienstzeit. Zunächst war Hattstedt-Olderup die favorisierte Stelle der damaligen Pröpstin, aber noch weiter weg von der Familie und das direkt ein Jahr nach Dienstantritt – gerade, als wir uns eingelebt hatten -, das wollten wir nicht. Auch war jetzt Schwesing eine Option, die ich aber abgelehnt habe, da ich dann immer über den Gartenzaun blicken würde und das Gras dort immer grüner ist.

Dass mir eine eigene Entscheidung ohne Zwang und äußere Einflüsse für oder gegen eine Bewerbung auf die Viöler Stelle verwehrt blieb und dass dieser Umstand dann nicht von Beginn an klar kommuniziert wurde, ist so eigentlich nicht vorgesehen und nicht fair. Viele meiner Freunde und viele der Kolleginnen und Kollegen, haben das schon seit meinem Beginn in Viöl als Zumutung charakterisiert. Lange habe ich gebraucht, um das selbst einzusehen und mir dann Beratung durch das Pastoralkolleg erbeten für einen objektiven Blick auf die Situation. Sowohl das Pastoralkolleg als auch das Landeskirchenamt teilen die Einschätzung, dass meine Stellensituation für den Probedienst nicht geeignet war und die Besetzung so nicht hätte stattfinden dürfen.

Nun sind allerdings schon zwei Jahre meines Dienstes hier um. Die Ungewissheit hat uns in dieser gesamten Zeit begleitet. Gerne hätte ich meine drei Jahre hier absolviert, allerdings hat uns vor allem die Wohnsituation, in der wir im Pastorat leben, zu einem früheren Weggang bewogen. Durch den Wasserschaden im Keller vor meinem Dienstantritt und den baulichen Zustand des Lorenz-Jensen-Hause hatten wir in diesem Winter und auch jetzt mit Schimmel zu kämpfen. Gäste bemerken den Schimmelgeruch sofort. Einen weiteren Winter wollen wir daher nicht in diesem Haus verbringen, nur um dann eh umziehen und gehen zu müssen.

Deshalb habe ich um eine Änderung meines Dienstauftrages gebeten. Zum 15.8. verlassen wir Viöl und ich meine Pfarrstelle. Wir wagen einen Neuanfang im Pfarrsprengel Mittlere Treene, in der Kirchengemeinde Treia und in einem anderen Kirchenkreis.

Trotz der Herausforderungen wird mir die Zeit hier in Viöl in guter Erinnerung bleiben. Viele Begegnungen, die mich berührt haben. Ich wollte hier für eine Kirche stehen, die Spaß macht, die sich nicht zu ernst nimmt und nah bei den Menschen ist. Geweint habe ich mit euch und auch viel und herzlich gelacht und gefeiert.

DANKE! Am 16.08. feiern wir um 17 Uhr in der St. Christophorus Kirche die gemeinsame Zeit mit einem Abschiedsgottesdienst. Ich würde mich freuen dort viele begrüßen zu dürfen.

Die Worte, die ich zum Abschied immer sagen, die sage ich auch euch: Wenn was ist – meldet euch.

Euer Malte