|
Die Legende des St. Christophorus Christophorus hieß eigentlich Reprobus (der Verworfene). Er hatte nämlich ein schreckliches Aussehen und war riesengroß. Als er bei einem Herrn der Kanaanäer diente, kam es ihm in den Sinn, nach dem größten König auf Erden zu suchen. Dem wolle er dienen. Und so machte er sich auf den Weg und gelangte schließlich zu einem sehr mächtigen Herrscher, von dem es hieß, die Welt habe keinen größeren. An seinem Hofe blieb er längere Zeit. Aber eines Tages kam ein Spielmann und sang am Hofbrunnen ein Lied. In diesem Lied kam bisweilen der Teufel vor, und Reprobus konnte sehen, daß sich der König, der ein Christ war, immer bekreuzigte, wenn von dem Teufel die Rede war. Er vermutete, daß da Angst im Spiel sei, und bat der König um eine Erklärung. Seine Vermutung bestätigte sich: Der König hatte Angst, der Teufel erlange Gewalt über ihn und könne ihm schaden. Diese Angst war für Reprobus der Beweis, daß der König nicht der mächtigste war. Der Teufel schien ihm überlegen zu sein. Sobald ihm das klar wurde, wollte er nicht mehr am Hofe bleiben, sondern den Teufel als den mächtigsten Herrn der Welt suchen, um sein Diener zu werden. Bald hatte Reprobus ihn in einer Schar Soldaten in der Einöde gefunden. Er hatte sich von selber zu erkennen gegeben. Und Reprobus verpflichtete sich ihm zu ewiger Knechtschaft. Aber sein Weg war noch nicht zu Ende: Als er mit dem Teufel weiterzog und sie auf ein Kreuz stießen, das an der Landstraße errichtet war, da floh der Teufel voller Schrecken, nahm einen Umweg durch unwirtliches Gelände, um erst weit hinter dem Kreuz wieder auf die Straße zurückzukommen. Nun wußte Reprobus, daß auch der Teufel Angst hatte, und zwar vor dem Kreuz. Als er auch hier wieder eine Erklärung verlangte, war der Teufel gezwungen zuzugeben, daß er Angst vor Christus hatte. Da wurde Reprobus klar, daß er den Mächtigsten der Welt immer noch nicht gefunden hatte. Er suchte also weiter, diesmal nach Christus, zunächst jedoch vergeblich, weil er niemanden fand, der ihm Auskunft geben konnte. Das änderte sich erst, als er zu einem Einsiedler kam. Der erzählte Reprobus über Christus und unterwies ihn sorgfältig in der Bibelkunde. Auch beriet er Reprobus auf dessen Frage hin, was er tun müsse, um näher zu Christus zu gelangen. Auf Fasten und Beten mochte er sich nicht einlassen, sondern eher auf den dritten Vorschlag des Einsiedlers, der Jesus wohlgefällig sein sollte: Wegen seiner Größe und Stärke fühlte er sich geeignet, Menschen an einer Furt über den Fluß zu tragen. Er baute sich eine Hütte an der betreffenden Flußstelle und brachte hinfort, auf eine Stange gestützt, ohne Unterlaß alle Leute über den Fluß, die hinüber wollten. Schließlich, als schon viele Tage vergangen waren, und Reprobus in seiner Hütte ruhte, hörte er mehrfach eine Knabenstimme: ,,Chnstophorus, komm heraus und bring mich hinüber." Erst beim dritten Nachschauen fand Christophorus (der ab jetzt sinnfälligerweise so heißt) den Knaben, der ihn so inständig bat, hinübergebracht zu werden. Christophorus nahm das Kind auf seine Schultern, ergriff den Stab und ging ins Wasser. Aber je weiter er schritt, desto höher stieg das Wasser und desto schwerer wurde ihm das Kind auf seinen Schultern. Er geriet in große Angst und meinte, ertrinken zu müssen. Als er mit unendlicher Mühe den Fluß überquert hatte, sagte er zu dem Kind: “Du bist mir so schwer geworden, daß ich glaubte, alle Last der ganzen Welt zu tragen.” Das Kind antwortete: “Chnstophorus, du hast noch mehr als alle Welt getragen. Du hast den getragen, der Himmel und Erde erschaffen hat und der selber die Sünde der Welt trägt. Denn wisse, ich bin Christus, dem du hier dienst! Und damit du siehst, daß das wahr ist, so nimm deinen Stab und stecke ihn neben deiner Hütte in die Erde. Er wird morgen früh blühen und Früchte tragen.” Christophorus tat, was der Christus-Knabe ihm gesagt hatte und sah am nächsten Morgen, daß sein Stab Laub und Datteln wie eine Palme trug. |